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   · Zentrum für Kinder-
und Jugendmedizin
Wuppertal
     
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Prof. Dr. Stefan Wirth
Dr. Philip Wintermeyer

Zentrum für Kinder- und
Jugendmedizin
HELIOS Klinikum Wuppertal
Universität Witten/Herdecke
Heusnerstr. 40,
42283 Wuppertal

Tel.: 0202-896 3833,
Fax: 0202-896 3834,
eMail: stefan.wirth@helios-kliniken.de

Neue Hepatitisviren: HGV, TTV und SENV  

Hintergrund

Chronische Virushepatitiden, die durch die klassischen hepatotropen Viren verursacht werden, sind in Deutschland auch im Kindesalter durchaus von epidemiologischer Relevanz. Die häufigsten chronischen Hepatitiden sind die Hepatitis B und Hepatitis C. Aber auch akute Hepatitiden werfen häufig diagnostische Probleme auf, wenn sie keiner bekannten Virusinfektion zuzuordnen sind. In den letzen 5 Jahren ist es gelungen, das diagnostische Spektrum und die Kenntnisse zum Krankheitsverlauf zu erweitern. Durch die erweiterten molekularbiologischen Methoden wurden nicht nur die bekannten Infektionen besser charakterisiert, sondern es gelang auch, neue Viren zu entdecken und deren Struktur zu charakterisieren. Die Suche ist vor allem darin begründet, dass weltweit etwa 20% der akuten und chronischen und 50-80% der fulminanten Hepatitiden weder einem der bisher bekannten Hepatitis A-, B-, C-, D- oder E-Viren zugeordnet werden können, noch andere Auslöser gefunden wurden. Klinische und experimentelle Daten weisen auf die Existenz bislang unbekannter Viren als mögliche Ursache dieser Erkrankungen hin. Es wird daher nach weiteren Erregern geforscht.

 

Das GB Virus-C/Hepatitis-G-Virus

wurde 1995/96 entdeckt und ist ein weltweit verbreitetes Virus mit einer Prävalenz von ca. 1-2% in der Normalbevölkerung. Es wird hauptsächlich durch Bluttransfusionen übertragen. Nur wenige Patienten, die infiziert werden, zeigen allerdings eine vorübergehende milde, klinisch inapparente Erhöhung der Transaminasen. Eine Relevanz in der chronischen Leberschädigung ist allenfalls in seltenen Ausnahmefällen zu bedenken.

Das TT-Virus,

das Ende 1997 in Japan isoliert wurde, ist aufgrund seiner weltweit auch unter der Normalbevölkerung außerordentlich hohen Prävalenz einzigartig. In Deutschland ist davon auszugehen, dass bei 20-40% der Gesunden TTV-Sequenzen nachweisbar sind, was durch seine Übertragungsweise und Fähigkeit zur Persistenz erklärt werden kann. Bislang fehlen  zuverlässige Hinweise für eine schädigende Wirkung auf hepatische- oder extrahepatische Organe.

Das SEN-Virus,

von dessen Entdeckung erst 2001 berichtet wurde, ist ein parenteral übertragbares Agens, das in hohem Maße mit akuter und chronischer Non A-E Hepatitis assoziiert sein soll. Zwischenzeitlich hat sich gezeigt, dass keine relevante Leberschädigung mit dem Virus in Verbindung gebracht wird. Man bezeichnet diese Viren auch als "innocent bystander".

 

In der folgenden Tabelle ist das aktuelle Hepatitisalphabet zusammengefasst. Die neuen Viren, die bisher keine klinische Bedeutung haben, sind etwas abgesetzt.

Spezies Familie Genom Verlauf Therapieoption
HAV Picornaviridae RNA akut symptomatisch
HBV Hepadnaviridae DNA akut, chronisch (PEG)-Interferon/
Nukleos(t)idanalogon
HCV Flaviviridae RNA akut, chronisch PEG-Interferon/Ribavirin
HDV Virion RNA akut, chronisch

(PEG)-Interferon/
Nukleos(t)idanalogon zur Therapie der Hepatitis B

HEV Caliciviridae? RNA akut symptomatisch
         
HGV Flaviviridae RNA akut, chronisch nicht erforderlich
TTV Circoviridae DNA akut, chronisch nicht erforderlich
SENV Circoviridae DNA akut, chronisch nicht erforderlich