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und Jugendmedizin
Wuppertal
     
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Prof. Dr. Stefan Wirth
Dr. Philip Wintermeyer

Zentrum für Kinder- und
Jugendmedizin
HELIOS Klinikum Wuppertal
Universität Witten/Herdecke
Heusnerstr. 40,
42283 Wuppertal

Tel.: 0202-896 3833,
Fax: 0202-896 3834,
eMail: stefan.wirth@helios-kliniken.de

Hepatitis D  

Das Virus

Das Hepatitis-D-Virus (Delta-Virus) ist ein kleines RNA-Virus mit einem Durchmesser von ca. 36 nm, das 1977 erstmals beschrieben wurde. Es benötigt zur Replikation die Hülle des Hepatitis-B-Virus und wird daher auch als Viroid bezeichnet. Alle drei Hüllproteine von HBV (small, major und large) werden verwendet, sie werden jedoch in einem anderen Mengenverhältnis zueinander in die Lipidhülle eingebaut. Die RNA ist einzelsträngig, zirkulär und besteht aus etwa 1700 Basenpaaren. Bis heute wurden drei unterschiedliche Genotypen sequenziert.
 

Epidemiologie

In Deutschland ist mit einer Prävalenz des Viroids bei ca. 1-2% der HBV infizierten Kinder zu rechnen, wobei die relative Häufigkeit abzunehmen scheint. Weltweit sind etwa 15 Millionen chronische HBV-Träger HDV-positiv. Endemische Gebiete innerhalb Europas sind vor allem mediterrane Regionen mit Prävalenzen von anti-HDV bis zu 10%.

Diagnostik

Die Diagnose einer HDV-Infektion ist wichtig, da sie die Prognose der Erkrankung maßgeblich beeinflußt.

HD-Antigen: Bei einer HDV-Infektion ist der Nachweis des HD-Antigens in Lebergewebe durch Immunfärbung eine überaus sensitive und spezifische Methode. Die Bestimmung von HDAg im Serum ist nicht sinnvoll, da das Antigen in der frühen Phase der Infektion nur 1-2 Wochen nachweisbar sein kann.

HD-Antikörper: Anti-HD ist der verbreitetste und sinnvollste Screeningparameter. Schon nach 1-2 Wochen der akuten Infektion kann er nachgewiesen werden. Hinzu kommt, dass hohe Titer eine chronische Infektion, niedrigere hingegen auf eine akute Infektion hinweisen. Herkömmliche Tests detektieren gleichermaßen IgG und IgM. Die getrennte Testung auf anti-HDV-IgM kann hilfreich sein, da der Titer oft mit der Viruslast korreliert.

HDV-RNA: Die virale Nukleinsäure wird durch die PCR nachgewiesen. Ab dem Zeitpunkt der Infektion ist schon nach einer Woche bei 2/3 der Patienten HDV-RNA positiv. Bei chronischen Trägern liegt die Sensitivität der PCR bei 90%.

Klinik

Eine HDV-Infektion ist in der Regel mit einer Verschlechterung der Prognose der HBV-Infektion assoziiert. Eine Delta-Koinfektion verläuft nur in 10% chronisch. Es besteht jedoch ein hohes Risiko, eine Leberzirrhose und langfristig ein hepatozelluläres Karzinom zu entwickeln. Im Gegensatz zur Koinfektion verläuft eine Superinfektion in 70-90% chronisch. Darüber hinaus scheint das Risiko einer fulminanten Hepatitis höher als bei Koinfektion. Interessanterweise wurde aber auch eine Reihe von Fällen publiziert, bei denen eine akute HDV-Infektion den Verlust von HBsAg zur Folge hatte. Den Einfluß der Doppelinfektion zeigte eine Studie an 2487 HBsAg positiven Patienten. Von diesen waren 5% anti-HDV-positiv. Signifikante histologische Veränderungen fanden sich bei 19% der HBV-Monoinfizierten, während 61% der Doppelinfizierten Träger einer schwerwiegenden Lebererentzündung oder Umbauzeichen im Lebergewebe aufwiesen. Der Verlauf von Doppelinfizierten nach anti-HBe-Serokonversion scheint milder zu verlaufen.

Therapie

Eine wirksame Behandlung der chronischen Hepatitis D gibt es nicht. Die Ansprechrate auf eine Interferon Therapie ist eher enttäuschend. Allerdings scheint es in einigen Fällen möglich, die entzündliche Aktivität durch die Serokonversion zu anti-HBe zu verringern. Es ist daher überlegenswert, ob man HBeAg-positive Kinder mit Delta-Infektion unter dem Gesichtspunkt der anti-HBe-Serokonversion mit Interferon behandelt. Behandlungsversuche mit anderen Medikamenten einschließlich Nukleos(t)idanaloga haben keinen anhaltenden Erfolg gezeigt. Trotzdem können HBeAg-positive Individuen mit einem Nukleos(t)idanalogon behandelt werden. Patienten mit einer progredienten Leberzirrhose sind Transplantationskandidaten.